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Mit fremden Federn geschmückt

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Wahlkampfcoup um den Kunstrasenplatz der Concordia Oidtweiler

Baesweiler. „Kunstrasenplatz für Oidtweiler!“ Mit dieser Forderung machte die CDU Oidtweiler in den sozialen Netzwerken auf sich aufmerksam. Sie verweist dabei auf einen Antrag für die Sitzung des Ausschusses für Kultur, Partnerschaft, Sport und Vereinsförderung am 04.06.2020. Darin forderte die CDU Oidtweiler:

1. Der Ausschuss für Kultur, Partnerschaft, Sport und Vereinsförderung schlägt dem Stadtrat vor, dass im Bereich des derzeitigen Rasenplatzes in Oidtweiler ein Kunstrasenplatz errichtet wird. Der FC Concordia Oidtweiler beteiligt sich hieran mit einem Eigenanteil von 75.000 EUR. Nach Fertigstellung des Kunstrasenplatzes wird der Aschenplatz geschlossen. 2. Über die Art der Ausführung dieses Kunstrasenplatzes wird frühestens nach der Entscheidung der EU zu diesem Thema und umfassender Information der Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Partnerschaft, Sport und Vereinsförderung entschieden. 3. Darüber hinaus beschließt der Stadtrat die Einrichtung einer Kommission aus Mitgliedern des Ausschusses für Kultur, Partnerschaft, Sport und Vereinsförderung sowie der Verwaltung, die sich umfassend über unterschiedliche Ausführungsvarianten, insbesondere hinsichtlich des Umweltaspektes, informieren.

Die Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung übernimmt die drei Forderungspunkte im Wortlaut und ergänzt:4. Die Verwaltung wird beauftragt, in enger Zusammenarbeit mit den Fußballvereinen der Stadt ein Gesamtkonzept zu erstellen und Lösungsvorschläge für den Fall der Notwendigkeit der Verbesserung anderer Fußballanlagen auch unter Berücksichtigung von sich abzeichnenden Förderprogrammen dem Ausschuss zu unterbreiten.

Die SPD Baesweiler begrüßt es ausdrücklich, dass wieder Bewegung in die Forderung nach einem Kunstrasenplatz kommt. Auch die Ergänzung der Verwaltung, die auf das von der SPD bereits geforderte Sportstättenkonzept hinausläuft, ist erfreulich. Allerdings ist aus Sicht der Sozialdemokraten hier einiges ins rechte Licht zu rücken und die Historie der Debatte um den Kunstrasenplatz aufzuzeigen:

I. Hintergrund

Bereits seit Jahren ist die Concordia Oidtweiler der mitgliederstärkste Fußballverein der Stadt. Starke Jugendförderung und gute Vereinsarbeit haben den Verein dorthin gebracht. Seit ebenso vielen Jahren gibt es im Spiel- und Trainingsbetrieb aber Probleme mit der Sportanlage der Concordia. Denn die Drainage des Rasenplatzes ist praktisch nicht mehr vorhanden, so dass sich gerade im Herbst häufig eine nicht mehr bespielbare Matschwüste bildet (die AZ/AN berichtete bereits). Die einzige Ausweichmöglichkeit, der Ascheplatz, ist im modernen Fußball seit langem nicht mehr konkurrenzfähig. Das erschwert der Concordia Oidtweiler nicht nur ihre sportlichen Leistungen, sondern ist auch ein Hindernis für die Anwerbung und das Halten neuer Spieler. Die zunehmend aufwändige Pflege des Rasenplatzes bedurfte immer wieder des öffentlichen Drucks durch Verein und Medien. 

II. Erster Antrag der SPD

Die SPD Baesweiler hat zur Unterstützung des Vereins daher bereits in der Ratssitzung am 18.12.2018 beantragt, im Haushalt 2019 Mittel in Höhe von 450.000 € für einen Kunstrasenplatz in Oidtweiler vorzusehen (die AZ/AN berichtete). Dies wurde von Bürgermeister und Mehrheitsfraktion CDU abgelehnt, denn „[d]ies hätte unter anderem zur Folge, dass die anderen Sportvereine ebenfalls einen Kunstrasenplatz beantragen würden.“ Die Hinweise der SPD, dass dieses Argument völlig die herausgehobene Stellung der Concordia übersehe, die ja auch bereits damals willens und in der Lage war, erhebliche Eigenmittel bereitzustellen, fruchteten nicht. 

III. Antrag der Concordia

Die Situation wurde im Lauf des Jahres 2019 für die Concordia so schlimm, dass der Verein sich in Absprache mit der SPD-Fraktion entschloss, am 15.06.2019 selbst einen Antrag auf Erneuerung der beiden Sportplätze zu stellen. „Die Concordia hat die Schnauze voll!“ hieß es vorher in den sozialen Netzwerken. In dem Antrag des Vereins wurde der Trend in Richtung Kunstrasen unmissverständlich hervorgehoben. 

Erst in der regulären, turnusmäßigen Sitzung des Ausschusses am 12.11.2019 wurde der Antrag behandelt. Die Verwaltung ließ in ihrer Vorlage den Ausschuss gar nicht über den Antrag des Vereins abstimmen, sondern nur darüber, die „Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis zu nehmen“. In diesen Ausführungen heißt es unter anderem: 

Mit den Verantwortlichen des Vereins hat es im laufenden Jahr mehrfach Gespräche gegeben, um insbesondere die Trainingsbedingungen entzerren zu können. Hier sind dem Verein umfangreiche Trainingszeiten auf der Sportanlage Loverich angeboten worden, die mittlerweile teilweise genutzt werden. Vor diesem Hintergrund und der auch für 2020 geplanten intensiven Pflege und teilweisen Sanierung des Rasen- und des Ascheplatzes in Oidtweiler sieht die Verwaltung keine Notwendigkeit für eine komplette Erneuerung.

Zudem wurde die Verwaltung beauftragt, das Thema Kunstrasenplatz erneut zur Tagesordnung vorzuschlagen, wenn die derzeit umfassend diskutierten Fragen geklärt sind und die Umweltverträglichkeit gegeben ist (das Füllmittel Kunststoffgranulat war gerade im Begriff, von der EU verboten zu werden). SPD-Fraktionsmitglied Alfred Mandelartz setzte sich in der Ausschusssitzung dafür ein, schnell Lösungen für die Concordia zu finden: Im gesamten Umfeld der Stadt Baesweiler gäbe es bereits Kunstrasenplätze bzw. seien diese in Planung. Ausschussmitglied Mandelartz schlug daher vor, das Thema Kunstrasenplatz nicht wie im Beschlussvorschlag unterbreitet erst nach Klärung der derzeit umfassend diskutierten Fragen, sondern in jedem Fall in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Kultur, Partnerschaft, Sport und Vereinsförderung zur Tagesordnung zu stellen. Immerhin wurde dieser Vorschlag angenommen.

IV. Zweiter Antrag der SPD

In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 03.12.2019 brachte die SPD-Fraktion Änderungsvorschläge zum Haushaltsentwurf ein (die AZ/AN berichtete). Unter anderem war darin, wie schon ein Jahr zuvor, eine Haushaltsposition zum Bau eines Kunstrasenplatzes in Oidtweiler vorgesehen. Fraktionsvorsitzender Markus Schallenberg betonte den dringenden Handlungsbedarf für die zunehmend eingeschränkte Concordia. Schon damals wurde eine Lösung für das angebliche Problem mit Kunststoffgranulat aufgezeigt: Ein Umbau des Rasenplatzes zu einem Kunstrasenplatz mit Korkfüllung sei aus Sicht der SPD-Fraktion der optimale Weg.

Die Änderungsvorschläge der SPD, so auch dieser, wurden erneut von der CDU abgelehnt. 

V. Heutige Situation

An der prekären Situation der Concordia Oidtweiler hat sich bis heute nichts geändert. Die Verwaltung war sogar mindestens noch im November des vergangenen Jahres gar der Auffassung, dass eine komplette Erneuerung gar nicht notwendig sei. 

Tatsächlich wurde seitens Verwaltungsspitze und CDU-Fraktion das Ziel verfolgt, durch eine Fusion von Fußballvereinen den Vereinssport im Sportpark an der Parkstraße zu konzentrieren. Die kleineren Fußballplätze, wie in Oidtweiler, könnten dann als „Filetstücke“ zur Bebauung genutzt werden, wie in Setterich geschehen. Dass etablierten, lokal organisierten Vereinen solche Fusionen nicht gefallen, liegt auf der Hand. Entsprechend krachend ist der Versuch dann auch gescheitert.

Nun also der Antrag der CDU. Aus heiterem Himmel, mit intensiver Bewerbung in den sozialen Medien. Unterscheidet sich der Antrag von den Vorstößen der SPD? Hat sich vielleicht am Hintergrund des EU-Verbots von Granulat etwas geändert? Nein, das ist nicht der Fall. Anträge gab es; Kork oder Sand war lange im Gespräch; den hohen Eigenanteil hatte der Verein zuvor bereits angeboten; die Verwaltung war ohnehin beauftragt, das Ganze wieder auf die Tagesordnung zu bringen. Rein gar nichts Neues steuern die Christdemokraten bei. 

Die Concordia ist aber inzwischen bereit, im Tauschhandel für einen Kunstrasenplatz den Aschenplatz aufzugeben, der dann aller Voraussicht nach als Baugebiet überplant werden wird. Das, und nichts anderes, ist der Hintergrund des jetzigen CDU-Antrags. Denn nur zu diesen Konditionen ist die Verwaltungsspitze bereit, endlich im Sinne des Vereins zu handeln. 

Und auch zeitlich hat sich etwas geändert. Es geht nämlich in schnellen Schritten auf die Kommunalwahl im Herbst zu. Und da passt es der CDU offenbar ganz gut, sich in Oidtweiler als Streiterin für die Interessen der Concordia zu gebärden. Dass man vorher mehrfach Gelegenheit hatte, sich für den Verein einzusetzen, aber dagegen gestimmt hat, gerät da vorschnell in Vergessenheit. Dass dies nicht geschehen ist, weil es sich um schlechte Anträge gehandelt hätte, sieht man ja daran, dass die CDU nun den Inhalt kopiert. Es hat den Anschein, dass es bei den Nein-Stimmen mehr um den Erhalt der Ratsmehrheit ging, als um das Gemeinwohl, weil man der Opposition die „Lorbeeren“ für gute Vorschläge nicht gönnt. 

Natürlich kann man sich nun mit fremden Federn schmücken, wenn es um Stimmen und damit Ratsmandate sowie das Bürgermeisteramt geht. Von politischem Anstand zeugt das aber nicht. Es hat den Anschein, als hätte die CDU durch ihre jahrelange absolute Mehrheit verlernt, was demokratischer Diskurs bedeutet. Fair play im Wahlkampf sieht jedenfalls anders aus.